geschichte

Die frühe Missionierung der zerstrittenen Keltischen Stammesfürsten durch den Hl. Patrick (5. Jahrhundert) verwandelte Irland in ein friedliches Eiland mit blühender Kultur und Bildung, dessen Missionare nach Schottland, England und auf den Kontinent ausschwärmten. Invasionen der Wikinger vom 8. bis zum 10. Jahrhundert zerstörten den Wohlstand und die Vorherrschaft der bedeutenden Klöster.
Als König Brian Boru 1014 die Invasoren besiegte, war das Land verarmt und isoliert. Mit der ersten Invasion durch Heinrich II. von England (1171-72) begann die bis in die Gegenwart reichende Konfrontation mit dem größeren Nachbarn.

Nach Beendigung der "Rosenkriege" (1485) begann Heinrich VII. damit, die irische Gesetzgebung und die Besetzung wichtiger Ämter an die Zustimmung des englischen Königs zu binden. 1541 machte sich Heinrich VIII. zum König von Irland und vergab irisches Land als Lehen der englischen Krone. Die Einführung des protestantischen Glaubens scheiterte am hinhaltenden Widerstand der streng katholischen Iren, worauf London eine massive Einwanderung protestantischer Siedler aus England und Schottland nach Ulster (Nordirland) förderte.

Für die Iren wurde der Katholizismus zum religiösen und anti-englischen Bekenntnis zugleich, vor allem nach der blutigen Niederschlagung eines Katholiken-Aufstandes durch Oliver Cromwell (1649-50); allein während des Massakers von Drogheda kamen Tausende von Iren ums Leben. Es folgte eine Periode der Unterdrückung der Katholiken, die Einschränkung ihrer Religionsfreiheit, Enteignungen und Zwangsumsiedlungen hinnehmen mussten.

Zeitweilig galt die Heilige Messe als Hochverrat. 1800 mussten die Iren sogar der Auflösung ihres Parlaments zustimmen; 100 Abgeordnete, natürlich Protestanten, durften in Westminster Platz nehmen. Die Staatskirchen wurden in der Union mit Großbritannien vereinigt.

Nach neuerlichen Unruhen wurde zwar 1829 ein Gesetz zur Emanzipation der Katholiken verabschiedet, aber das reichte den Iren nicht, die weiter (bis 1869) ihren Zehnten an die anglikanische Staatskirche zahlen mussten und zunehmend lauter nach Autonomie ("Home Rule") verlangten. 1914 schließlich verabschiedete das Londoner Parlament den "Home Rule Act".
Die Verwirklichung der Autonomie aber wurde zunächst einmal ausgesetzt - wegen des Ersten Weltkriegs und weil die Protestanten in Ulster nicht bereit waren, sich von den Katholiken in Dublin regieren zu lassen.
Extrem militante Nationalisten starteten daraufhin den Dubliner Oster-Aufstand von 1916, der von den Briten brutal niedergeschlagen wurde. Nach einer Phase blutiger Partisanenkriege - 1919 wählten die Iren den Freiheitskämpfer Eamon de Valera zum Präsidenten einer noch gar nicht existierenden Republik Irland - machte 1920 der "Government of Ireland Act" sechs der neun Ulster-Grafschaften zum Bestandteil des britischen Königreichs - mit einem eigenen Parlament in Belfast. Irland lehnte einen ähnlichen Status ab und trennte sich von Großbritannien. Durch den "Irish Free State Act" vom 11. Dezember 1922 wurde das Land zum Freistaat ("Dominion") innerhalb des britischen Commonwealth.

Die Abtrennung des Nordens schuf den Iren ein politisches Dauerproblem, das schon 1922/23 zum Bürgerkrieg führte. Großbritanniens Herrschaft über Ulster und der ungebrochene Wille der Iren, das Land wieder zu vereinen, zogen einen Handelskonflikt nach sich. Doch mit der neuen irischen Verfassung von 1937 kam es zum Ausgleich zwischen Großbritannien und dem irischen Freistaat (Eire) und zur vollen Unabhängigkeit Irlands.

Im Zweiten Weltkrieg blieb das Land neutral.
1949 folgten die Proklamation der Republik Irland, der Austritt aus dem Commonwealth und die Verschärfung der Spannungen mit Ulster bis zum Beginn einer Konsultationspolitik (1965).
Freihandelsabkommen mit Großbritannien 1965; von 1969 an Eskalation organisierter Gewalt und massiver Einsatz britischer Truppen in Nordirland, zunehmender IRA-Terror und wirtschaftlicher Niedergang.
Nach Beitritt zur EG (1973) wurde Irland Fördergebiet, lockte Investoren mit lukrativen Sonderbedingungen und entwickelte sich in den neunziger Jahren fast unbemerkt vom einstigen "Armenhaus" zum Musterland für Aufschwung und Konsolidierung.
Seit dem Nordirland-Abkommen zwischen Dublin und London vom November 1985 verbesserte sich die Aussicht auf Einigung mit England.
Erste Gewaltverzichtserklärungen nordirischer Untergrundorganisationen 1994 ermöglichten die Intensivierung eines nach wie vor komplizierten Dialogs und setzten die bis dahin verweigerten Gespräche mit Großbritannien in Gang.
Am Karfreitag 1998 einigten sich Irland, Nordirland und Großbritannien unter Vermittlung des ehemaligen US-Senators George Mitchell auf ein Abkommen zur Beendigung des Nordirland-Konflikts.
Damit verzichtete Dublin praktisch auf eine Wiedervereinigung der Insel. In einer Volksabstimmung billigten 94,4 Prozent der Iren die Vereinbarung (Zustimmung in Nordirland: 71,1 Prozent).

 

 
 

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